Nestlé hat heute am Nestlé Nutrition Werk in Biessenhofen gemeinsam mit Landwirt Gerhard Metz, Projektpartner BayWa r.e. sowie Gästen aus Politik, landwirtschaftlichen Verbänden und Organisationen eine innovative Agri-Photovoltaik-Anlage eröffnet. Die „Cow-PV“-Anlage verbindet die Erzeugung von regionalem Ökostrom mit landwirtschaftlicher Nutzung, Heuerzeugung und Tierwohl. Der vor Ort erzeugte Solarstrom treibt zugleich die Elektrifizierung und Energiewende am Standort voran: Er unterstützt den Betrieb moderner Wärmepumpen und die intelligente Nutzung von Abwärme – für mehr Energieeffizienz, Einsparung von Erdgas und CO2 und wachsende Energieunabhängigkeit.
Mit der Inbetriebnahme der Agri-Photovoltaik- (Agri-PV-) Anlage setzt Nestlé in Biessenhofen einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem zunehmend elektrifizierten, energieeffizienten Produktionsstandort. In Zeiten volatiler Energiemärkte und globaler Umbrüche gewinnt die Versorgungssicherheit vor Ort weiter an Bedeutung. Das Werk verfolgt deshalb ein integriertes Konzept aus Elektrifizierung, intelligenter Abwärmenutzung und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Moderne Wärmepumpen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie machen nutzbare Prozessabwärme für die Wärmeversorgung verfügbar und werden bereits heute mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben – jetzt auch aus der innovativen Agri-PV-Anlage.
Nestlé hat rund 3 Millionen Euro in das Projekt investiert. Realisiert wurde die Anlage gemeinsam mit dem Erneuerbare-Energien-Unternehmen BayWa r.e., das seine Expertise im Bereich Agri-PV in Planung, Bau und Betrieb eingebracht hat.
„Cow-PV“: Energieerzeugung trifft Landwirtschaft – mit Weide, Schatten und modernem Stallkonzept für Kühe
Die Agri-PV-Anlage wurde auf einer 4,74 Hektar großen Fläche, die rund 7 Fußballfeldern entspricht, in unmittelbarer Nachbarschaft des Werks errichtet und ist direkt an den Produktionsstandort angebunden. Mit einer installierten Leistung von 4,5 Megawatt Peak kann sie rechnerisch rund ein Viertel des Strombedarfs des Werks decken – das entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch von 2.000 Einfamilienhaushalten.
Besonderheit der Anlage ist die gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung: Die Fläche bleibt Weide- und Futterfläche für Kühe und erfüllt die Anforderungen der DIN SPEC 91434, die Kriterien für die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-Photovoltaik definiert.
Gemeinsam mit Landwirt Gerhard Metz wurde das Konzept der „Cow-PV“-Anlage entwickelt, das Stromerzeugung, Tierwohl und Bewirtschaftung effizient kombiniert. Während Nestlé in die Agri-PV-Anlage investierte, hat der Landwirt ein neues, modernes Stallgebäude auf der Fläche realisiert.
Der neue Stall mit Platz für bis zu 50 Kühen befindet sich direkt angrenzend an die Fläche mit der Photovoltaik-Anlage und ist mit automatisierter Melktechnik ausgestattet. Er ermöglicht den Weidegang der Tiere als wichtige Voraussetzung für den Bio-Betrieb und verbindet Tierwohl mit effizienten Abläufen. Ein moderner Melkroboter nutzt dabei Selektionstüren, um die Weidehaltung zu steuern: Anhand von individuell erhobenen Daten der Kühe wird automatisch entschieden, ob ein Tier nach dem Melken Zugang zur Weide bekommt oder nochmals in den Stall zurückgeleitet wird. Das schafft Flexibilität für den Landwirt und spart Zeit im Arbeitsalltag.
Erfolgreicher Testbetrieb: zufriedene Kühe, Bewirtschaftung und Stromertrag überzeugen
Schon im Testbetrieb zeigen sich die Vorteile der multifunktionalen Flächennutzung: In ersten Probeläufen mit den Kühen haben sich die Tiere auf der Fläche gut orientiert und die Schattenbereiche unter den Solarmodulen bei sonnigem Wetter angenommen. Auch die Bewirtschaftung funktioniert wie geplant und die Durchfahrt mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen für Pflege und Ernte ist problemlos möglich.
Im Testmonat März konnte durch die Photovoltaik-Anlage bereits eine Einsparung von 14 Prozent des Werksstroms erreicht werden – obwohl die Anlage in dieser Phase noch gedrosselt lief und die Sonneneinstrahlung saisonbedingt gering war. Gleichzeitig wurde bereits überschüssiger Solarstrom in das öffentliche Netz eingespeist.
Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Weitblick als Erfolgsfaktor von der Idee bis zur Umsetzung
Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender von Nestlé Deutschland: „Elektrifizierung und Sicherung der Energieversorgung sind zentrale Zukunftsaufgaben. Hier in Biessenhofen setzen wir diese ganz konkret und innovativ um: Wir erzeugen erneuerbare Energie direkt vor Ort, nutzen moderneste Technologie und schaffen gleichzeitig spürbaren Mehrwert für die Region. So stärken wir die Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit des Standorts und übernehmen gemeinsam mit der Landwirtschaft Verantwortung für Versorgungssicherheit und nachhaltige Entwicklung. Entscheidend sind künftig Lösungen, die mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen und sich in die Breite tragen lassen. Deshalb bin ich mehr als stolz auf dieses Leuchtturmprojekt.
Jörg Schmitt, Environmental & Sustainability Manager für die deutschen Produktionsstandorte von Nestlé: „Unsere Cow-PV-Anlage macht sichtbar, wie sich Energieerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung sinnvoll verbinden lassen. Dass wir heute die Inbetriebnahme feiern können, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit Landwirt, Behörden und vielen Partnern – vom ersten Konzept bis zur Umsetzung vor Ort. Diese Anlage zeigt zusammen mit den neuen Wärmepumpen und Wärmenetzen, wie eine Energiewende aussieht. Viele Nestlé Standorte werden nach und nach auf ähnliche Weise energetisch modernisiert.“
Frank Brinkmann, Werkleiter in Biessenhofen: „Energieeffizienz steht bei uns seit Jahren weit oben auf der Agenda. Auf unserem Weg zur Reduzierung der CO2-Emissionen ist uns wichtig, dass Investitionen zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Werks verbessern. Mit dem Einsatz von Solartechnik zeigen wir in diesem Projekt, wie gut das gelingt: Die Umwelt, unser Partner Landwirt Gerhard Metz und seine Kühe profitieren – und wir senken unsere Energiekosten deutlich.“
Gerhard Metz, Landwirt: „Das gemeinsame Projekt ist für mich überzeugend, da keine wertvolle landwirtschaftliche Fläche verloren geht. Im Gegenteil, die Tiere profitieren durch die Beschattung im Sommer und den Schutz vor Regen und Wind unter den Modulen. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels lassen sich durch dieses neue Weidekonzept abpuffern und fördern Tierwohl und Tiergesundheit. Die zusätzlichen Pachteinnahmen stabilisieren unser Einkommen in Zeiten volatiler Märkte.“
Dr. Stephan Schindele, Head of Product Management Agri-PV bei BayWa r.e.: „Die Cow-PV-Anlage zeigt, dass sich Agri-PV auch an industriellen Standorten und mit Partnern aus der Wirtschaft sinnvoll umsetzen lässt. Damit mehr solcher Projekte im Bereich Energie- und Agrarwende entstehen, brauchen wir vor allem Planungssicherheit und pragmatische Prozesse – von der Flächenbewertung bis zum Netzanschluss. Biessenhofen zeigt, wie viel möglich ist, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und nachhaltige Lösungen suchen.“
Andreas Kaufmann, Mitglied des Bayerischen Landtags (CSU) und des Wirtschaftsausschusses: „Wer Landwirtschaft und Energieerzeugung klug kombiniert, verknüpft erfolgreich zwei scheinbare Gegensätze: ein Energie-Infrastrukturprojekt mit Akzeptanz sowie wirtschaftlich kluge Energiegewinnung mit effektivem Klimaschutz. Genau dafür steht beispielhaft die Cow-PV-Anlage in Biessenhofen. Sie zeigt eindrücklich, wie Landwirtschaft und Industrie gemeinsam erneuerbare Energie erzeugen, die gleichzeitig die Wärmewende im Betrieb voranbringen kann. Solche Projekte sind gut für Landwirtschaft, Industrie sowie Klimaschutz, stärken die Versorgungssicherheit und machen unseren Standort Bayern unabhängiger.“
„Cow-PV“-Anlage als Treiber der Energiewende: Mehr Elektrifizierung, weniger CO2-Emissionen
Die Agri-Photovoltaik-Anlage ist ein zentraler Baustein der Energiewende am Standort: Biessenhofen elektrifiziert seine Energieversorgung Schritt für Schritt – unter anderem durch moderne Wärmepumpentechnologien und die Nutzung von Abwärme aus der Produktion für das werksinterne Wärmenetz. Der selbst erzeugte Solarstrom ermöglicht es, Wärmepumpen zunehmend mit regionaler, erneuerbarer Energie zu betreiben und so fossile Energieträger wie Gas weiter zu ersetzen, die bisher für die Erzeugung von Dampf genutzt wurden. Damit steigt die Energieeffizienz und das Werk wird unabhängiger von Importen und Preisschwankungen auf den internationalen Energiemärkten.
Bereits seit Juli 2024 versorgt eine hocheffiziente Industrie-Wärmepumpe das Werk über ein werksinternes Nahwärmenetz mit 60 Grad heißem Wasser und senkt so CO2-Emissionen sowie Energiekosten. Hinzu kommt demnächst eine weitere Wärmepumpe für höhere Temperaturbereiche, die Wasser auf 90 Grad Celsius erhitzt. Zwei neu errichtete Wärmespeicher mit einer Kapazität von jeweils 100 m3 sorgen für eine konstante Verfügbarkeit des Heißwassers. Im Laufe des Jahres werden zudem noch zwei weitere Wärmepumpen sowie eine Kälteanlage mit zwei Kälteverdichtern installiert und Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Die Kälteanlage erzeugt Kühlwasser mit 10 Grad Celsius, um eine Durchlaufkühlung der Prozesse mit Trinkwasser zu ersetzen und somit Wasser zu sparen. Mit den ersten beiden Wärmepumpen lassen sich jährlich insgesamt mehr als 3.000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen.
Bei der Stromversorgung in Biessenhofen setzt Nestlé bereits heute auf Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft – unter anderem über langfristige Strombezugsverträge mit Partnern wie Axpo. Mit der Agri-PV-Anlage kommt ein relevanter Anteil des Stroms nun zusätzlich aus der direkten Nachbarschaft am Standort.
Die Cow-PV-Anlage zahlt als zukunftsfähiges Konzept für die Energiewende und als Treiber der Elektrifizierung durch Wärmepumpen auch auf die globale Klimastrategie von Nestlé ein, die eine signifikante Senkung der Treibhausgas-Emissionen zum Ziel hat.
Quelle: www.nestle.com