Im Interview erklärt Arne Weinig, geschäftsführender Gesellschafter der Tauber Solar Holding GmbH, wie das Unternehmen den Wandel strategisch genutzt hat, wo die nächsten Wachstumsfelder im C&I-Segment liegen – und welche Rahmenbedingungen das Tempo der Transformation beeinflussen.
Wie hat das EEG die Entwicklung von Tauber-Solar und den Photovoltaikmarkt insgesamt geprägt?
Das EEG hat für uns und viele andere Unternehmen den Rahmen geschaffen, damit Photovoltaik von einer Nischenanwendung zu einem relevanten Teil der Energieversorgung werden konnte. Ohne diese langfristige Investitionssicherheit wären vor allem gemeinschaftliche Projekte mit Bürgerbeteiligung in diesem Umfang kaum realisierbar gewesen.
Uns hat von Beginn an der Gedanke geleitet, Photovoltaik in die Breite zu tragen – mit Beteiligungsmodellen und niedrigeren Einstiegshürden. Das EEG war dafür ein wichtiger Katalysator. Es hat die Grundlage gelegt, auf der wir uns vom Initiator einzelner Projekte hin zu einem integrierten Energiedienstleister entwickeln konnten, der heute Planung, Bau und Betrieb von Solar- und Speicheranlagen aus einer Hand anbietet.
Welche Weichenstellungen waren entscheidend auf dem Weg vom Projektierer zum integrierten Energiedienstleister?
Eine zentrale Weichenstellung war, die Wertschöpfungskette bewusst Schritt für Schritt zu erweitern: von der klassischen Projektentwicklung über EPC-Leistungen bis hin zu Betrieb und Wartung. Wir haben früh entschieden, technische Kompetenz und Systemverständnis im eigenen Haus aufzubauen, statt uns nur auf Volumenwachstum zu konzentrieren.
Heute profitieren wir davon, dass wir Projekte über ihren gesamten Lebenszyklus begleiten können – von der ersten Idee über die Realisierung bis in den langfristigen Betrieb. Kunden erwarten genau das: einen Ansprechpartner, der sowohl technische Details als auch wirtschaftliche und betriebliche Aspekte versteht und zusammenbringt.
Mit dem neuen Standort in München rücken Sie Gewerbe- und Industriekunden stärker in den Fokus. Welche Anforderungen bringen diese Kunden heute mit – und wie reagieren Sie darauf? Heute betrachten Gewerbe- und Industriekunden Energie deutlich strategischer als noch vor einigen Jahren. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie stabil sind meine Energiekosten über die nächsten Jahre? Wie sicher ist meine Versorgung? Und wie passt das zu meinen Nachhaltigkeitszielen?
Daraus ergeben sich klare Anforderungen: integrierte Lösungen aus PV, Speicher und gegebenenfalls Ladeinfrastruktur, eine saubere Einbindung in bestehende Werksnetze und verlässliche Betreuung im Betrieb. Mit dem Standort in München haben wir die Möglichkeit genutzt, ein spezialisiertes Team aufzubauen, das genau diese Aufgaben abdeckt.
Wir kombinieren dort Planung, Bau und Betriebskompetenz für C&I-Projekte und sind geografisch nah an den Standorten unserer Kunden, um auch im laufenden Betrieb schnell reagieren zu können.
Welche Rolle spielen Speicherlösungen heute in Projekten für Gewerbe und Industrie?
Speicher sind für viele Gewerbe- und Industrieprojekte der Schlüssel, um aus einer Photovoltaikanlage ein flexibles Energiesystem zu machen. Es geht nicht mehr nur darum, möglichst viele Kilowattstunden zu erzeugen, sondern Erzeugung und Verbrauch bestmöglich aufeinander abzustimmen.
In der Praxis heißt das: Lastspitzen reduzieren, Eigenverbrauch optimieren, Überschüsse sinnvoll zwischenlagern und – wo es passt – auf Preissignale im Markt reagieren. Viele Unternehmen stellen erst im Projektverlauf fest, wie groß der Einfluss eines gut geplanten Speichers auf ihre Energiekostenstruktur sein kann.
Wichtig ist, dass Speicher von Anfang an systemisch mitgedacht werden: in Kombination mit der PV-Anlage, Lastprofilen, Netzinfrastruktur und gegebenenfalls Ladepunkten. Hier bringen wir unsere Erfahrungen aus Großspeicherprojekten und komplexen Werksnetzen in die C&I-Projekte ein.
Mit Tauber Energy sind Sie in den Markt für Großspeicher eingestiegen. Wie entwickelt sich dieses Segment aus Ihrer Sicht?
Tauber Energy wurde 2024 als spezialisierte Einheit für Großspeicherlösungen gegründet. Wir sehen ein deutlich steigendes Interesse: Netzbetreiber, Energieversorger und industrielle Abnehmer beschäftigen sich intensiv mit Speichern, um Netze zu stabilisieren, erneuerbare Erzeugung besser zu integrieren und neue Geschäftsmodelle zu erschließen.
Der Markt wächst schnell, befindet sich aber noch im Aufbau. Viele Fragestellungen – etwa zu Netzanschlüssen, technischen Standards oder Präqualifikationen für Regelenergiemärkte – werden derzeit parallel mit der Projektpraxis weiterentwickelt.
Mit unserem Projekt in Waltershausen und einem weiteren Großspeicher mit 15 Megawatt Leistung und 40 Megawattstunden Kapazität, der kurz vor der Inbetriebnahme steht, haben wir gezeigt, dass solche Anlagen technisch und organisatorisch zuverlässig umgesetzt und betrieben werden können. Diese Erfahrungen übertragen wir direkt auf nachfolgende Projekte und auch auf das C&I-Segment.
Sie haben Ihre Serviceaktivitäten durch die Übernahme des Deutschlandgeschäfts von ENcome deutlich ausgeweitet. Welche Bedeutung hat O&M heute in Ihrem Portfolio?
Betrieb und Wartung haben sich für uns von einem ergänzenden Angebot zu einem eigenständigen, strategischen Geschäftsfeld entwickelt. Durch die Übernahme des Deutschlandgeschäfts von ENcome betreuen wir heute Solar- und Speicheranlagen deutschlandweit mit eigenen Teams – von Monitoring und Wartung über Instandhaltung bis hin zu BESS-Services und Co-Location-Projekten.
O&M ist aus unserer Sicht der Bereich, in dem sich die Qualität einer Anlage langfristig zeigt: in Verfügbarkeit, Performance und Betriebskosten. Für viele Kunden ist es wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der ihre Anlagen über viele Jahre kennt und kontinuierlich weiterentwickelt.
2026 investieren wir deshalb intensiv in die Digitalisierung unserer O&M-Prozesse, um Zustände besser vorherzusagen und Einsätze gezielt zu planen. Zusätzlich sehen wir im Repowering großer Anlagenbestände aus der frühen EEG-Phase ein wachsendes Feld, in dem wir unsere Betriebserfahrung mit den zusätzlichen Ressourcen aus der ENcome-Integration verbinden.
Welche Markt- und Rahmenbedingungen sind aus Sicht Ihrer Kunden derzeit besonders relevant für Investitionen in PV- und Speicherlösungen?
Unternehmen im Gewerbe- und Industriesektor treffen Investitionsentscheidungen mit einem Horizont von 15 bis 20 Jahren. Entsprechend wichtig sind aus ihrer Sicht Rahmenbedingungen, die eine belastbare Kalkulation ermöglichen.
Dazu zählen klare Regelungen zur Netzintegration, transparente und planbare Prozesse bei Anschluss und Genehmigung, nachvollziehbare Modelle für Eigenverbrauch und gegebenenfalls Direktbelieferung sowie stabile Anforderungen an Mess- und Abrechnungskonzepte. Wenn diese Punkte gut definiert sind, lässt sich die Wirtschaftlichkeit von PV- und Speicherprojekten verlässlich bewerten.
Unsere Rolle sehen wir darin, diese Rahmenbedingungen in konkrete Projektstrukturen zu übersetzen – also technische Lösungen, wirtschaftliche Modelle und Betriebsstrategien so zu kombinieren, dass sie zum jeweiligen Standort und zur langfristigen Unternehmensstrategie passen.
Quelle: www.tauber-solar.de