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Nachhaltigkeit und CO2 Strategie der BITO Gruppe

Interview mit Dipl.- Ing. Markus Ohl, Leitung Bauwesen/Infrastruktur/Energie/Werkschutz BITO-Lagertechnik

Die BITO Gruppe ist seit September 2021 als klimaneutral zertifiziert und lĂ€sst sich ihre KlimaneutralitĂ€t jedes Jahr erneut vom TÜV Rheinland bescheinigen. Dipl.-Ing. Markus Ohl ist sowohl fĂŒr das Liegenschaft- und Baumanagement als auch fĂŒr den gesamten Bereich der Energiebeschaffung und des Energiemanagements der BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH zustĂ€ndig. Da die Themen Energieeffizienz und CO2-Fußabdruck fĂŒr die Unternehmen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben, ist Markus Ohl auch Ansprechpartner und Experte fĂŒr das Thema „Kategorisierungen der Emissionen“ bei BITO-Lagertechnik. Wir haben ihn im Jahr 2021 zur CO2 Strategie der BITO Gruppe befragt und nun noch einmal nachgefragt, wie sich der Stand zum Jahr 2024 weiter verĂ€ndert hat:

Herr Ohl, BITO-Lagertechnik ist ein Industrieunternehmen, wo entstehen die meisten Emissionen im Bereich der Fertigung?

Nach der Umstellung auf Ökostrom entstehen bei BITO die meisten Emissionen nicht mehr im Scope 2, also den indirekten Emissionen aus dem Strombezug, sondern im Bereich der Pulverbeschichtungsöfen, die dem Scope 1, den direkten Emissionen, zugeordnet sind.

Kann ein Industrieunternehmen wirklich nachhaltig und CO2 reduziert fertigen? Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um dies zu erreichen?

BITO ist ein global tÀtiges, traditionsreiches, innovatives, mittelstÀndisches und heimatverbundenes Familienunternehmen, das von jeher auch die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Blick hat.

Wir investieren seit Jahren in die energieeffiziente Modernisierung unserer Energie- und Anlagentechnik. NatĂŒrlich sparen wir dadurch Energie und CO2-Emissionen ein.

Weiterhin haben wir zwei große PV-Anlagen zur Eigenstromversorgung installiert, mit denen wir in KĂŒrze rund 800.000kWh/a selbst erzeugen können. Zurzeit bauen wir zudem eine neue Produktionshalle, auf der bis Sommer 2024 eine weitere PV-Anlage mit einer Leistung von 204 kWp errichtet wird, um dann damit zusĂ€tzlich 200.000 kWh pro Jahr zur VerfĂŒgung stellen zu können.

WĂŒnschenswert wĂ€re eine schnellere Umstellung auf „grĂŒnen“ Stahl. Im Moment sind die Emissionen, die bei der Herstellung von Stahl entstehen, noch so hoch, dass die CO2-Einsparungen in den Werken – trotz großer Anstrengungen – leider noch relativ gering sind. Die Technologieumstellung der Hochöfen weg von Kohle zu wasserstoffbasierenden Lösungen wĂŒrde die Emissionen im Industriesektor um ca. 40% reduzieren. Diese Technologie ist aber noch in der Entwicklungsphase und wird leider auch noch einige Jahre auf sich warten lassen. Wenn sie dann aber einsetzbar ist, wird unter Klimagesichtspunkten ein wirklicher technologischer Fortschritt zu verbuchen sein.

Was hat BITO fĂŒr den CO2-Fußabdruck bereits getan?

Schon im Jahr 2013 haben wir als einer der ersten Firmen damit begonnen, die Beleuchtung auf energiesparende LED-Technik umzustellen. Nach Abschluss der Maßnahme wurde in diesem Bereich der Strombedarf um 60% reduziert.

Wir haben unsere Druckluft-Kompressoren in den Werken getauscht und sind hier auf dem neuesten technischen Stand.

Zudem sind seit Ende des Jahres 2021 alle Pumpen in unseren Kaltwassersystemen fĂŒr die Spritzguss-Infrastruktur bzw. die Pumpen in unseren HeizkreislĂ€ufen modernisiert. Auch hierdurch können wir nun 100.000kWh pro Jahr einsparen.

Außerdem haben wir in der Vergangenheit unseren Maschinenpark im Spritzgussbereich bestĂ€ndig erneuert und setzen hier auf ECO-Drive Antriebe, wodurch sich der Energieverbrauch pro kg Kunststoff je nach GrĂ¶ĂŸe der Maschine zwischen 12 und 20% reduziert.

Welche Maßnahmen sind noch geplant? Gibt es weitere CO2-Ziele bei BITO?

Mit der bestĂ€ndigen Verbesserung der Energieeffizienz spart man natĂŒrlich auch CO2-Emissionen ein.

Geplant und bereits bestellt ist inzwischen eine neue Pulverbeschichtungsanlage, als Ersatz fĂŒr die in die Jahre gekommene alte Anlage. DafĂŒr bauen wir gerade die neue Produktionshalle. Mit der neuen Anlage werden wir den Energieverbrauch in diesem Bereich dann um 50% reduzieren können.

Eine tageslichtabhĂ€ngige Beleuchtungssteuerung wĂŒrde auch viel Einsparungspotential bieten, da gibt es z.Zt. Überlegungen, wie eine solche Steuerung in den Produktionshallen umgesetzt werden kann. In unserer neuen Halle 3 werden wir gleich eine tageslichtabhĂ€ngige Beleuchtungssteuerung installieren und darĂŒber hinaus das komplette Untergeschoss mit einer 30kW WĂ€rmepumpe beheizen.

Bei der CO2-Kompensation arbeiten wir direkt mit Gold StandardÒ (Vision + Auswirkungen | Der Goldstandard) zusammen, dem Premium-Anbieter von Klimaschutzprojekten.

Generell ist zu spĂŒren, dass der Trend zu klimaneutral hergestellten Produkten auch von Kundenseite immer stĂ€rker wird.

Wie viel CO2 konnte BITO bereits einsparen?

Dies ist schwer zu beantworten. Da wir kein reiner Serienfertiger sind und wir individuelle Kundenlösungen anbieten, schwankt das Portfolio der verkauften Produkte stark, daher sind die Energieverbrauchszahlen der letzten Jahre nur schwierig vergleichbar.

Fakt ist, dass der CO2-Footprint fĂŒr 2022 insgesamt 8% weniger CO2-Emissionen ausweist, als es 2018 der Fall war. Dies sind rund 14.500 Tonnen weniger CO2, ohne dass hierbei die Umstellung auf Ökostrom mitberĂŒcksichtigt wurde.

GrundsĂ€tzlich spart alleine die Umstellung auf Ökostrom ca. 2.800t CO2 pro Jahr ein.

Um genau zu beobachten, wie sich die Emissionen in welchem Bereich verÀndern, lassen wir seit September 2021 jedes Jahr einen neuen Footprint erstellen.

Was ist der Unterschied zwischen „CO2-freier Produktion“ und „Klimaneutraler Produktion“?

So wĂŒnschenswert es wĂ€re, aber eine komplett „CO2-freie“ Produktion ist mit den heute zur VerfĂŒgung stehenden Technologien so gut wie nicht möglich.

„Klimaneutral“ hingegen bedeutet, dass die CO2-Emissionen eines GeschĂ€ftsbereichs nach gĂ€ngigen Standards ermittelt werden und im zweiten Schritt fĂŒr die Bereiche, wo eine Einsparung nicht ohne weiteres möglich ist, durch ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt ausgeglichen wird.

Es existieren verschiedene Zertifikate. Wurde BITO bereits zertifiziert?

Im September 2021 wurde die BITO Gruppe erstmals vom TÜV Rheinland als „klimaneutrales Unternehmen“ verifiziert. Dieses Zertifikat lassen wir, wie gesagt, jedes Jahr erneuern.

Davor haben wir bereits die TÜV-Zertifizierung „Corporate Carbon Footprint“ erhalten, der die Emissionen aller Treibhausgase unseres GeschĂ€ftsbetriebs fĂŒr ein Jahr bilanziert.

BITO verfĂŒgt außerdem ĂŒber ein „Ökostromzertifikat“. Mit diesem Zertifikat und den entsprechenden Herkunftsnachweisen wird uns bestĂ€tigt, dass der Strom aus erneuerbaren Energien, den wir verwenden, in der gleichen Menge ins Netz eingespeist wurde, wie unser jĂ€hrlicher Verbrauch ist. Damit Strom aus erneuerbaren Energien nicht mehrfach vermarktet wird, ĂŒberwacht das Bundesumweltamt die Herkunftsnachweise des Stroms. BITO nutzt ausschließlich Ökostrom, das mit dem fĂŒhrenden GĂŒtesiegel des TÜV Rheinland ausgezeichnet ist.

Herr Ohl, was bedeuten die Begriffe Scope 1, Scope 2, Scope 3?

Entlang der Wertschöpfungskette werden die Emissionen nach dem „Green House Gas Protocol“ in 3 Kategorien eingeteilt:

Im Scope 1 fasst man die direkten Emissionen zusammen. Darunter fallen bei BITO die Emissionen aus der Heizung und den Beschichtungsöfen.

Im Scope 2 werden die indirekten Emissionen ermittelt. In unserem Fall sind dies die Emissionen, die durch unseren Strombezug aus den Kraftwerken anfallen.

Im Scope 3 sind die Emissionen der den Werken vorgelagerten bzw. nachgelagerten AktivitĂ€ten zusammengefasst. FĂŒr BITO fallen hier vor allem die Emissionen, die durch die Stahl- bzw. Kunststoffgranulat-Herstellung entstehen, an. Zudem sind in diesem Bereich die Emissionen aus dem Transport von den Werken zum Kunden zu nennen.

Unser Fußabdruck wird zu 82% von den Emissionen aus der Stahlherstellung geprĂ€gt. Deshalb wĂŒrde hier, wie bereits erwĂ€hnt, eine nachhaltige VerĂ€nderung des Produktionsprozesses bei den Hochöfen zu einer drastischen Verbesserung des Unternehmensfußabdrucks fĂŒhren – und das gilt natĂŒrlich fĂŒr alle stahlverarbeitenden Betriebe.

Ein heißes Thema: Greenwashing. Ist das, was wir hier betreiben, alles nur Augenwischerei?

Das Thema „KlimaneutralitĂ€t“ ist in aller Munde. Viele Unternehmen werben mit ihrem Engagement fĂŒr den Klimaschutz. Doch komplett CO2-frei zu wirtschaften, dazu ist bisher noch niemand in der Lage, weil noch nicht alle Voraussetzungen dafĂŒr geschaffen sind.

Wir alle stehen noch am Anfang eines langen Weges. Europa möchte nach dem Pariser Abkommen der erste klimaneutrale Kontinent sein. Doch dazu fehlt noch die nötige Technologie-Revolution. Bis die erreicht ist, kann mit Investitionen in Klimaschutzprojekte fĂŒr positive Auswirkungen auf das Klima und die Menschen vor Ort sorgen. Das ist aktuell der bestmögliche Weg. Mit der Investition in ein Klimaschutzprojekt unterstĂŒtzt man die Ziele der UN fĂŒr eine nachhaltige Entwicklung in den Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern.

Ganz wichtig ist hier das Kriterium der ZusĂ€tzlichkeit, d.h. dass ein Klimaschutzprojekt wiederum ohne die Gelder aus den Kompensationszertifikaten nicht realisiert werden kann. Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung werden zukĂŒnftig mehr Hand in Hand gehen mĂŒssen


Weitere Informationen: www.bito.com/de-de/nachhaltigkeit/

Dipl.- Ing. Markus Ohl, Leitung Bauwesen/Infrastruktur/Energie/Werkschutz BITO-Lagertechnik

Quelle: www.bito.com

Interview veröffentlicht am 28.03.2024 in CO2-Management / -Reduktion, News.
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